Wie eine verdammt gute Fußball App aussehen kann – und warum das nicht nur für Vereine relevant ist

Der Status der Fußball Apps: Digital brauchen die Fans mehr Inhalte und Möglichkeiten

Apps sind für das digitale Fanerlebnis heutzutage ein unabdingbares Moment geworden. Gerade in Zeiten von Mobile First gilt also: nicht nur jeder Verein sollte eine App anbieten, sondern diese auch optimal auf die Bedürfnisse der eigenen Fans ausrichten. Welche Inhalte, Designs und Features dabei sowohl für die Supporter als auch für Partnerunternehmen der Vereine funktionieren, zeigen wir im Folgenden. Zudem wollen wir darauf aufmerksam machen, dass Apps zu den Fans, aber auch zum Amateur- oder Jugendbereich Brücken zu bauen imstande sind.

Die Zeiten, in denen die Fußballfans zweimal pro Woche den Kicker gekauft und die wichtigsten Informationen daraus bezogen haben, sind aufgrund der Digitalisierung und der meist hochprofessionellen Websites der Vereine und der Sportmedien längst vorüber. Inzwischen sind die Anforderungen der Fußballbegeisterten daher gestiegen: News zu Transfers, Ergebnissen, Suspendierungen etc. werden unmittelbar nach Bekanntwerden erwartet. Am Spieltag müssen die Geschehnisse für alle, die nicht live im Stadion oder vor dem Fernseher beziehungsweise Laptop, Tablet oder Smartphone dabei sein können, beinahe in Echtzeit übermittelt werden. Und in einer Zeit, da Smartphones als Zentrum des digitalen Lebens der meisten Menschen – und daher auch Fußballfans – fungieren, sind Apps genau der Ort, an dem sich nicht nur die gängigen Sportmedien, hier seien neben dem Kicker auch Sport1, Transfermarkt und Co. genannt, sondern auch die Verbände und vor allem Vereine profilieren und dem Fan ein bestmögliches digitales Erlebnis rund um seinen Lieblingssport bieten können.

Aber wie steht es um die Apps zu deutschen Fußballvereinen? Sucht man im Google Play Store oder im Apple Store nach einem (prominenten) Fußballclub, wird man inzwischen so gut wie immer fündig. Bei größeren Vereinen gibt es natürlich auch verschiedene Apps; aber wir wollen uns mal auf die offiziellen konzentrieren. Um den Status solcher Apps hinsichtlich des Fanerlebnisses näher zu bestimmen, haben wir die Apps der Hamburger Vereine FC St. Pauli und Hamburger Sportverein unter die Lupe genommen. Und vorweg: so schwach der HSV sich in der Bundesliga präsentiert, die Vereins App macht richtig was her. Das Design der App ist nicht bahnbrechend, aber sehr übersichtlich. Was die App besonders gut macht, ist der Aspekt, dass zwischen Reitern per Swipe gewechselt werden kann.

Screenshot HSV App

Was bei Tinder funktioniert, kann auch für andere Apps von Vorteil sein. Zudem fällt auf, dass die Social Media-Accounts relativ barrierefrei miteingebunden sind. Das ist für den Fan wichtig, damit er nicht zwischen all den Plattformen hin- und herklicken muss, um Posts und News zum Spiel oder andere Updates zu erhalten. Auch bei der Kaderansicht gilt das benutzerfreundliche Swipe-Prinzip und die Navigation wird insgesamt einfach dargestellt.

Screenshot HSV App

Die App bietet also einige Grundfunktionen wie News, Social Media-Berichterstattung, Videos und natürlich die obligatorischen Übersichten über den Spielplan, die Tabelle, den Kader etc. Dazu liefert die Sektion Fan-Mail noch einen Ansatz für Engagement.

Screenshot HSV App

Hier kannst du dir deine eigene HSV-Mailadresse besorgen. Diese ist allerdings kostenpflichtig. Doch so kann der HSV über die App auch Conversions für seine Partner, in dem Fall den Mailanbieter, optimieren. Außerdem können die HSV-Fans bei der App die digitale Ausgabe der Stadionzeitschrift „durchblättern“. Ein schönes Feature, das für Verweildauer sorgt.

Screenshot HSV App

Schauen wir auf die App des FC St. Pauli, fällt auf, dass das Layout im Großen und Ganzen noch ausbaufähig ist. Die einzelnen Bereiche der App können zwar schnell gefunden werden, liefern allerdings wenig Anlass für eine längere Verweildauer. Das zeigt schon die weniger ansprechende, aber so zentrale Rubrik „Aktuelle Neuigkeiten“ (was sich auch als doppelt gemoppelt erweist).

Screenshot FC St. Pauli App

Positiv fällt bei der App allerdings die Sektion Kiezhelden auf, die sich für soziales Engagement ausspricht. Immerhin werden hier auch die unterstützenden Unternehmen aufgeführt, wenn auch ein klein wenig lieblos.

Screenshot FC St. Pauli App

Die App des FC St. Pauli hat also noch Luft nach oben, gerade wenn man sich die Variante des HSV ansieht. Wie es auch im Hinblick auf die Einbindung von Werbepartnern noch besser laufen könnte, zeigt aber auch die App des 1. FC Nürnberg. Für diese zeichnet, wie für eine ganze Reihe weiterer, darunter die offiziellen von Eintracht Braunschweig oder Hertha BSC, das Medienunternehmen Lagardère Sports verantwortlich. Dieses Unternehmen ist Vermarktungspartner und zum Beispiel auch Teil der Marketingstrategie von Borussia Dortmund, Bayer 04 Leverkusen, dem HSV oder Hannover 96. Bei der App, die der 1. FC Nürnberg in Kooperation mit dem Unternehmen erstellt hat, fallen verschiedene Aspekte positiv ins Gewicht. Zum einen gibt es für die Fans sehr viele Features zu entdecken. Da ist neben dem Fanradio per simpler Navigation auch der Fan- oder Ticketshop zu erreichen, bei der Re-Live-Sektion können Videos eingesehen werden und dergleichen mehr. Für die Partner des Vereins dürfte jedoch wichtiger sein: die eingeblendeten Werbebanner über der Navigationsleiste sind allesamt von den direkten offiziellen Werbepartnern des Vereins.

Damit schließt die App, die für eine kostenlose Nutzung auf Werbung setzt, den Werbekreislauf des Vereins oder des Unternehmens. Dieses Beispiel dürfte für die Entwickler spannend sein, da es Werbepartner durchaus locken könnte.

 

 

Wie kann man Apps erlebnisreicher machen? Lernen bei englischen Vereinen?

Bei der Fülle an guten digitalen Angeboten sollten die Vereine sich also durchaus Gedanken machen, wie die eigene App optimiert werden kann. Schließlich bieten Apps nicht nur Werbeinventar, sondern auch die Möglichkeit, mehr über die Fans und ihr Nutzungsverhalten zu erfahren.

So arbeitet der englische Zweitligist Leeds United bei seiner App mit InCrowd zusammen, wie DigitalSport berichtet. Die Fans können bei dieser App alle Features einer guten Fußball App nutzen, auch dank des InCrowd-Systems für Push-Nachrichten. Und genau dieses erlaubt es dem Verein personalisierte Nachrichten an Fans oder Fangruppen zu senden. Diese Option hängt natürlich auch mit den Lokaldaten und Daten zum Nutzerverhalten der User zusammen, die über die App gesammelt werden können.

Wie man den Fan besonders attraktiv personalisiert ansprechen kann, zeigt etwa der FC Southampton. Nicht in der App, aber beim Mailing werden Datenzentren miteingebunden, die auf den Ergebnissen von Opta beruhen.

Screenshot Opta Sports, Case Study: FC Southampton, © Opta

Diese Daten sind imstande, für mehr Engagement zu sorgen; demnach sollten Vereine auch für Kooperationen dieser Art ein offenes Ohr haben.

Wie eine Vereinsapp für Fans und Werbepartner gleichermaßen sehr vorteilhaft gestaltet werden kann, zeigt besonders gut das Beispiel von Premier League-Club Swansea City. Hier wird beim ersten Öffnen zunächst abgefragt, welche Benachrichtigungen der Fan überhaupt erhalten möchte.

Screenshot App von Swansea City

Ein sehr guter Start. Doch damit nicht genug. Für die Swansea Supporter gibt es eine ganze Menge Annehmlichkeiten in der App, angefangen bei einer äußerst übersichtlichen und guten Navigation. Dazu kommt, dass es wiederum viel zu entdecken gibt, auch über News, Aufstellungen, Kader etc. hinaus. So kannst du etwa ein Quiz absolvieren.

Screenshot App von Swansea City

Zusätzlich punktet die App mit einem sehr coolen Design – als Reiter für die Vereinsnews fungiert sogar das Wappentier der Swans.

Screenshot App von Swansea City

Beim Screenshot wird auch deutlich, dass den Sponsoren viel Platz in der App eingeräumt wird; ohne, dass diese zu aufdringlich wirken. Dafür sorgt das matte grau auf grau. Dennoch nutzt die App ihr Inventar geschickt, um Werbepartner einzuführen. So werden die Aufstellungen vom offiziellen Match Lineup Sponsor präsentiert.

Screenshot App von Swansea City

Und auch die Berichterstattung während des Spiels und nach dem Spiel hat einen Partner, der natürlich auch als solcher dargestellt wird. In diesem Fall bet365 als Match Centre Sponsor. Dieses Auftreten der Partner ist so wertvoll, da die Fußball Apps naturgemäß vor allem am Spieltag sehr viel genutzt werden. Damit ist die Viewability der Partner dann umso höher, wenn sie bei einer Rubrik wie dem Match Centre zu finden sind.

Screenshot App von Swansea City

Darüber hinaus zielt die App ganz natürlich ebenso auf Conversions im Fanshop ab, wenn bei der gelungenen Kaderübersicht der Button zum Trikotkauf sehr schnell zu klicken ist.

Screenshot App von Swansea City

Bleibt noch zu sagen, dass man beim Download der App in Deutschland auch direkt den Ticker des letzten Spiels auf deutsch nachlesen kann. Hier können sich einige Vereine sicherlich etwas Inspiration holen.  

 

 

Wie kann man die eigene App verbessern?

Es finden sich viele Möglichkeiten, die eigene App zu optimieren. Dabei lohnt immerzu ein Blick auf die Konkurrenz im In- und besonders auch im Ausland. Aber es gibt weitere Wege. Der FC Bayern München hat zuletzt etwa einen Hackaton mit 220 Wettbewerbern ausgerichtet, so die WirtschaftsWoche. Bei den HackDays konkurrierten Frauen und Männer aus 40 Ländern mit ihren Entwicklungen für Apps. Der FC Bayern München hat diesen Wettbewerb zusammen mit den Partnern DHL, Audi, Siemens, Adidas, SAP und der Deutschen Telekom veranstaltet. Die bei den HackDays entwickelten Tools könnten in Zukunft auch die Bayern und deren digitale Angebote nach vorne bringen. Im Artikel der WiWO wird Karl-Heinz Rummenigge wie folgt zitiert:

„Die Digitalisierung wird für uns in diesem Jahr eine große Rolle spielen – sie soll ein zentraler Bestandteil unserer Strategie jenseits des Fußballplatzes sein.“

Die Sieger des Wettbewerbs erhielten übrigens Ticketpakete des FC Bayern. Somit war die Veranstaltung medienwirksam und hat den Teilnehmern den Verein näher gebracht; dem Verein aber potentielle neue Wege dargeboten, wie die digitale Fanansprache weiter optimiert werden kann.

 

Nicht nur Vereine sollten auf Apps bauen

Dass die Sportmedien längst ihre Apps anbieten, liegt auf der Hand. Doch auch Verbände wie die UEFA oder andere Sportbusiness-Plattformen warten mit Apps für Fußballfans auf. Immerhin ist der Markt riesig.

Wer nun also bei einem Unternehmen beschäftigt ist, dessen Kerngeschäft der Fußball ist, der sollte sich über eine Optimierung oder im Zweifel die Einführung einer App bemühen. Selbst wenn es bei dem Verein oder Partnerverein auch mal um einen aus der dritten oder vierten Liga geht. Denn da sind ja auch noch zahlreiche Groundhopper, die auf mehr Informationen hoffen können, auch wenn es bereits eine gut frequentierte Groundhopper App gibt. 

Trotzdem ließe sich in diesem Bereich durch ein digital hervorstechendes Angebot sicherlich noch der ein oder andere Fußballfan gewinnen; von vielen Downloads ganz zu schweigen.

 

 

Der Einsatz von Apps endet nicht bei den Fans

Die richtige App ist letztlich aber nicht nur für die Fans ein guter digitaler Informationskanal. Denn auch die Massen von Trainern und Trainerinnen hierzulande und überhaupt nutzen inzwischen Apps, um ihr Training vorzubereiten – wenngleich es mit Sicherheit noch genug Trainer der alten Schule geben wird. So listet selbst der DFB auf der eigenen Website eine Reihe nützlicher Apps auf, die für die Trainingseinheiten vorteilhaft sein können. Wer sich dort mit einer guten App behaupten kann, darf sich wohl auf eine ganze Menge Downloads einstellen. Und damit, das ist die logische Folge, wird auch das potentielle Werbeinventar stets wertvoller.

Doch in der Landschaft der Applikationen im Fußball sind noch ganz andere Beispiele für den Einsatz derselben zu nennen. Swansea City hat nämlich nicht nur eine sehr gute Vereins App für die Fans, sondern auch eine App für die Spieler des Clubs. Wie Econsultancy berichtet, bietet diese verschiedene Sprachoptionen, Trainingspläne, aber auch Tipps für gute Schulen für die Kinder, Ausflugshinweise, Makleradressen oder emotionale Unterstützungsoptionen für Spieler.

 

Und auch der Nachwuchs- und Amateurbereich des Fußballs wollen nicht vergessen werden. Bei der letzten Statistik 2017 wurden über sieben Millionen Mitglieder beim beim DFB registriert. Wenn das kein Markt ist.

Was die Nachwuchskicker angeht, hat die App Tonsser aus Dänemark bereits über 100.000 Jungfußballer zwischen 13 und 19 Jahren als Nutzer gewonnen. Das berichten die Westfälischen Nachrichten. Hier können Spieler, egal ob in der Kreisliga oder in der Bundesliga, Daten ihrer Leistungen hochladen. Im Bestfall sorgt das nicht nur für Follower, sondern auch für Verträge. Hüseyin Bulut aus Borussia Dortmunds U19 hat dank Tonsser einen Vertrag mit einem Sportartikelhersteller erhalten, heißt es im Bericht. Und vermutlich träumen viele unentdeckte Youngster davon, sich über diese App für größere Aufgaben empfehlen zu können. Auch Dortmunds an den VfB Stuttgart verliehener Jungstar Jacob Bruun Larsen gehört zum Netzwerk.

Und natürlich eignet sich eine solche App für Werbung besonders gut, in diesem Fall für Adidas.

Screenshot Tonsser Fußball App

Letztlich sollten diese Ausführungen verdeutlichen, dass eine gute Fußball App ein riesiges Potential bietet. Ob sie nun für den Verein konzipiert ist, eventuell für die Millionen Amateurspieler oder eine ganz andere Zielgruppe. Apps bieten Werbeinventar und eignen sich wunderbar für Partnerschaften mit verschiedensten Anbietern. Und wer mit einer starken App überzeugt, reiht sich im Mobile Zeitalter ganz vorne bei den Ansprechpartnern im digitalen Business ein.

 
Von Niklas Lewanczik

Von Niklas Lewanczik

Niklas hat in Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und arbeitet gerade an seinem Master in Deutschsprachigen Literaturen. Abseits der Uni wendet er sich als Redakteur der Welt des Online Marketing zu. Vor diesem Hintergrund und als begeisterter Fußballfan schreibt Niklas für Spielmacher Konferenz rund um die Themen Digitalisierung, Technologien und Marketing im Fußball von heute.

 
 

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